Die Stadt Korntal-Münchingen verfügt mittlerweile über ein gutes und vielfältiges Kinderbetreuungsangebot. Allerdings erleben wir auch in diesem Bereich eine Zeitenwende. Jahrzehntelang ging es darum, das städtische Angebot auszubauen, zusätzliche Räumlichkeiten zu schaffen und Personal einzustellen, um den Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen zu decken. Nun kehrt sich diese Entwicklung zunehmend um: Wir haben immer häufiger Überkapazitäten. Insbesondere in Münchingen gibt es mit 60 Kindern weniger einen deutlichen Rückgang, während Korntal durch das Baugebiet Korntal-West 30 Kinder mehr verzeichnet.
Diese Entwicklung ist grundsätzlich bedenklich. Die wirtschaftliche Schwäche und der mangelnde Optimismus in unserem Land spiegeln sich auch in diesen Zahlen wider. Umso wichtiger sind grundlegende Reformen und ein konsequenter Bürokratieabbau in Deutschland, damit Wirtschaft und Gesellschaft wieder zuversichtlicher in die Zukunft blicken können.
Gleichzeitig ergeben sich aus der veränderten Situation auch Chancen. Wir müssen nicht länger zusätzliches Personal einstellen, sondern können perspektivisch Personalressourcen reduzieren. In Münchingen könnte langfristig sogar ein Standort aufgegeben werden. Dadurch ließen sich auch Sach- und Investitionskosten einsparen. Die freiwerdenden Spielräume sollten wir zugleich nutzen, um unser Betreuungsangebot gezielt weiterzuentwickeln. So plant die Verwaltung, sogenannte „2+“-Plätze zu schaffen. Darüber hinaus sehen wir weiteres Potenzial.
Bislang nimmt die Stadt Kinder erst ab Vollendung des ersten Lebensjahres in die Krippe auf, da ab diesem Zeitpunkt ein Rechtsanspruch auf Betreuung besteht. Teilweise entsteht der Betreuungsbedarf jedoch bereits früher. Insbesondere Frauen, die vor der Geburt voll berufstätig waren, sind oftmals darauf angewiesen, schon früher wieder in ihren Beruf einzusteigen. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, haben wir deshalb beantragt, künftig auch Kinder unter einem Jahr in die städtische Krippenbetreuung aufzunehmen. Über diesen Antrag hat der Gemeinderat noch nicht entschieden; die Beratung ist für eine der kommenden Sitzungen vorgesehen.
Schließlich würden wir es begrüßen, wenn die Sprachförderung in der KITA Westwind künftig weiter ausgebaut würde. Denn gute Kinderbetreuung bedeutet für uns nicht nur, ausreichend Plätze bereitzustellen, sondern auch, die Qualität und die individuellen Entwicklungschancen unserer Kinder kontinuierlich zu verbessern.
Peter Ott
