Mehr Wald für den Klimaschutz – weltweit und lokal

Der FDP Ortsverband hatte am Dienstag den 07. Juli 20 ins Naturfreundehaus Krummbachtal zu einem Vortrag von Dr. Christoph Hoffmann, MdB eingeladen. Das Interesse am Thema des Abends war ausgesprochen groß. Annette Höhn-Thye und Peter Zydel begrüßten als FDP-Stadträte die Teilnehmer, die mit den Freunden der freien Demokraten einen Querschnitt unterschiedlicher Parteien und Generationen abbildeten. 

 

Bürgermeister Dirk Östringer und die Fraktionsvorsitzenden der Jungen Gerlinger und SPD zählten ebenfalls zum am Thema interessierten Publikum. Herrn Dr. Michael Nill, Fachbereichsleiter Wald vom Landratsamt Ludwigsburg, sowie unser Revierförster Simon Walz bereicherten den Abend mit ihren Beiträgen und Antworten. Der Vorsitzender des FDP -Ortsverband Strohgäu, Dr. Henning Wagner aus Ditzingen, führte durch die Veranstaltung. 

Herr Dr. Hoffmann, der sich selbst als einziger Anwalt der Bäume im Bundestag bezeichnete, begann seine Präsentation aus der globalen Perspektive. Am Beispiel von Messungen vom Mauna Loa Observatorium in Hawaii, zeigte er eindrücklich die weltweite Zunahme des Treibhausgases CO2. Interessant sind die jährlichen Schwankungen durch die CO2-Auf- und -Abgabe im Sommer und Winter durch die Wälder der nördlichen Hemisphäre. Die Kurve belegt auch den weltweiten Substanzverlust des Waldes. Besonders in Südamerika, aber auch in Afrika, Indonesien und Myanmar (Birma) gehen große Waldflächen verloren. In Brasilien zurzeit ca. 1 Mio. ha. p.a. Brände tragen bis zu 20% zum weltweiten CO2-Ausstoß bei. In Australien war bei den letzten Bränden eine Fläche von 6,3 Mio. ha betroffen. Im Amazonas, in Indonesien und Russland gab es ebenfalls sehr große Waldbrände.

Die Universität ETH in Zürich hatte berechnet, dass ca. 350 Mio. ha wieder aufgeforstet werden müssen, um den Überschuss an CO2 der Atmosphäre wieder zu entziehen. Dies ist eine Jahrhundertaufgabe und würde laut Dr. Hoffmann ca. 1,4 Billionen € Budget benötigen. Hier gilt es neue Ideen zu entwickeln, wie dies umgesetzt werden kann. Geberkonferenzen, Bezahlung von Bauern für Wiederaufforstung und Pflege, CO2-Kompensationsinitativen und der Emissionszertifikate- Handel wurden angesprochen. Es gibt zwar einen Preis für die CO2-Emission von 22-25€/t, aber einen Preis für das Einsammeln gibt es noch nicht. Insbesondere in den Tropen ist die Wiederaufforstung wichtig, denn der tropische Wald wächst viel schneller und kann in der selben Zeit die 5-fache Menge an CO2 sammeln als der Wald in den gemäßigten Zonen.

Nach dem globalen Blick auf Klima und Wald wurde auch sehr kompetent auf die Gegebenheiten in Deutschland, im Landkreis Ludwigsburg und in Gerlingen eingegangen. Der Landkreis Ludwigsburg ist mit 18% Wald relativ waldarm, aber wir haben den Wald in den letzten Jahren vermehrt, berichteten Dr. Michael Nill vom Landratsamt Ludwigsburg und Revierförster Simon Walz. Insbesondere das trockene Jahr 2018 hatte unserem Wald geschadet. Die Wasserreserven des Waldes und das Grundwasser sind bis heute noch nicht wieder aufgefüllt. Hier gibt es im Landkreis Schadensschwerpunkte. Insbesondere die Nadelhölzer leiden, 10-20 ha der Waldkiefer im Landkreis Ludwigsburg sind einfach abgestorben. Aber auch die Rotbuche und die Buche leidet unter der Trockenheit. Die Atlas-Zeder, die Libanon-Zeder und die Douglasie sind trockenheitsresistenter und könnten ein Ersatz für die Fichte sein. Die Fichte wird, lt. Dr. Nill, mittelfristig ganz verschwinden! Auch die Eiche, die Hainbuche, der Spierling, die Elsbeere und Stieleiche wurden als Baumarten genannt, die noch am besten mit dem Klimawandel und der Trockenheit zurecht kommen. Aber es wurde auch für die Nutzung und Bewirtschaftung der Wälder geworben. In Holzprodukten wird CO2 langfristig gebunden. Jedoch gibt es ein Überangebot an Holz. Bis zu 5 Hiebsätze sind in der Pipeline sagt Förster Walz. Der Borkenkäfer und Sturmschäden haben stark zu diesem Überangebot beigetragen.

In der anschließenden Fragerunde wurden vom sehr interessierten Publikum noch die Themen saurer Regen, die Zusammenarbeit mit den Jägern, der Eichenprozessionsspinner, die Mountainbiker und weiter Themen angesprochen. Alle Fragen wurden von den Fachmännern sehr kompetent beantwortet. Abschließend gab es noch die Gelegenheit mit Herrn Dr. Hoffmann über aktuelle politische Themen zu diskutieren. Er machte sich stark für weiter Themen, die zum Klimaschutz beitragen, wie zum Beispiel Dämmung, E-Fuels, und die Wasserstoffwirtschaft. Er fasste noch einmal zusammen, wofür die FDP steht: Freiheit, Bürokratieabbau und Eigenverantwortung. Die Voraussetzung dafür, dass Kräfte frei werden und Motivation entsteht. Wichtige Eigenschaften, dass die beschriebenen Herausforderungen angepackt werden. Es scheint einen grünen Weg der FDP zu geben, der eine echte Alternative ist.

Heinrich Thye

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